Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes

Völkermorde in der Vergangenheit

Seit der Antike kennt man bereits Völkermorde. In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder die Vernichtung ganzer Völker gegeben. Man denke da z.B. an die Kolonisationspolitik der Europäer, aber auch in der jüngeren Vergangenheit ist es zu Völkermorden gekommen:

  • 1904 – 1908

    zwischen 35.000 und 65.000 Herero-Opfer, ca. 10.000 Nama-Opfer
     

    Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha

    Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha

    Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika. Der Aufstand der Herero und Nama endete durch den „Vernichtungsbefehl“ des Kommandeurs der kaiserlich deutschen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, Lothar von Trotha, im Völkermord durch die deutsche Kolonialmacht. Durch die Völkermordkonvention der Vereinten Nationen ist diese Tat als Völkermord anerkannt, auch wenn noch im Jahre 2012 in Deutschland die Bundesregierung behauptet hat, man könne die Tat „nicht nach den heute geltenden Regeln des humanitären Völkerrechts bewerten und daher auch nicht als Völkermord einstufen.“

    Lothar von Trotha, aus seinem Vernichtungsbefehl von 1904:

    …Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück, oder lasse auf sie schießen.

     

  • 1915 – 1916

    zwischen 300.000 und 1.500.000 Opfer
     
    Völkermord an den Armeniern im damaligen Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges. Auch wenn die aus dem Osmanischen Reich hervorgegangene Türkei offiziell bestreitet, dass es diesen Völkermord gegeben hat, wird er weltweit überwiegend anerkannt; so auch von den Vereinten Nationen.
     

  • 1939 – 1945

    zwischen 5.600.000 und 6.300.000 Opfer
     
    Völkermord an den Juden. Der Antisemitismus im Deutschen Reich hat sich durch den Nationalsozialismus in der Judenvernichtung zu einem nicht zu überbietenden Verbrechen gesteigert. Dieser Holocaust oder Shoah wurde von den Nationalsozialisten in der schrecklichsten Perfektion durchgeführt. Die „Endlösung der Judenfrage“, war nichts geringeres als die systematische Vernichtung und Ermordung der Juden in Europa.

    Göring beauftragte im Juli 1941 Heydrich damit:

    … alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa. …

    und

    … in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.

     

  • 1939 – 1945

    unbekannte Anzahl der Opfer, sie soll sechsstellig sein
     
    Völkermord an den Sinti und Roma – Porajmos. Dieser Roma-Holocaust fand in der Zeit des Nationalsozialismus statt. Wie die Vernichtung der Juden wurde auch hier mit äußerster Systematik die Auslöschung der Roma und Sinti betrieben. Die „Bekämpfung aus dem Wesen dieser Rasse“ aus dem Erlass von Himmler am 8.12.1938 war nichts anderes als die pseudowissenschaftliche Erfassung dieser Menschen, um sie dann zu verfolgen und zu vernichten.

  • 1965 und 1972

    zwischen 100.000 und 250.000 Opfer
     
    Völkermord in Burundi durch die Tutsi an den Hutu. Nachdem der letzte König von Burundi, Ntare V., von Anhängern Micomberos 1972 ermordet worden ist, gewinnt er mit Hilfe von ihm gegenüber loyalen Truppen die Oberhand. Die in der Armee verbliebenen Hutu werden getötet. Die Armee massakriert in den folgenden Monaten systematisch ethnische Hutu. Um den Führungsanspruch der Tutsi nicht zu gefährden, müssen gerade gebildete Hutu wie Minister, Beamte und Lehrer beseitigt werden.
     

  • April – Juli 1994

    zwischen 500.000 und 1.000.000 Opfer
     

    Gedenkstätte in Nyamata Foto: Fanny Schertzer

    Gedenkstätte in NyamataFoto: Fanny Schertzer

    Völkermord in Ruanda. Die Tat ist in Verbindung mit einem langjährigen Konflikt zwischen der damaligen ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung zu sehen. Ungefähr 75 % der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sind in dieser Zeit von Angehörigen der Hutu-Mehrheit ermordet worden. Neben der Ruandischen Armee, der Nationalpolizei und den Milizen beteiligten sich auch große Teile der Zivilbevölkerung der Hutu an dem Völkermord. Auch durch Presseveröffentlichungen wurde im Vorfeld des Völkermordes eine Ideologie verbreitet, die beabsichtigte, die Tutsi zu vernichten und ein Zusammenleben mit ihnen als Verrat an den Hutu zu brandmarken. Besonders hervor sticht dabei die Veröffentlichung der „Zehn Gebote der Hutu“. So wurden in die Vernichtung auch die moderaten Hutu mit einbezogen, die sich am Völkermord nicht beteiligen wollten.

    Zehn Gebote der Hutu

    1. …ist jeder Hutu ein Verräter, der eine Tutsi Frau erwirbt; eine Tutsi Konkubine erwirbt; eine Tutsi Sekretärin oder Schützling erwirbt.
    2. …unsere Hutu Töchter sind als Frauen, Ehefrauen und Mütter mehr wert und gewissenhafter…
    3. Hutu-Frauen seid wachsam und stellt sicher, dass eure Ehemänner, Brüder und Söhne die Gründe sehen.
    4. Alle Hutus müssen wissen, dass alle Tutsis unehrlich im Geschäftleben sind. Ihr einziges Ziel ist die ethnischen Überlegenheit…
    5. Strategische Positionen wie in der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, beim Militär und bei der Sicherheit muss auf die Hutu beschränkt sein.
    6. Eine Hutu-Mehrheit muss sich im gesamten Bildungssystem (Schüler, Wissenschaftler, Lehrer) durchsetzen.
    7. Die ruandische Armee muss ausschließlich aus Hutu bestehen…Kein Soldat darf eine Tutsi Frau heiraten.
    8. Jeder Hutu muss aufhören, Mitleid mit den Tutsi zu haben.
    9. …Jeder Hutu muss sich ständig der Tutsi Propaganda entgegenstellen. Jeder einzelne Hutu muss standhaft und wachsam sein gegenüber dem gemeinsamen Feind: die Tutsi.
    10. …Jeder Hutu, der seinen Hutu-Bruder für die Verbreitung und Lehre dieser Ideologie verfolgt, ist ein Verräter.

     

  • Juli 1995

    ca. 8000 Opfer
     
    Völkermord an Bosniaken durch das Massaker von Srebrenica. Einheiten der bosnisch-serbischen Armee sind in die Schutzzone Srebrenica eingedrungen und haben die nach Potočari geflohenen Bosniaken nach Männer und Frauen getrennt. So sind größtenteils Männer und Jungen im Alter von 12 bis 78 Jahren über mehrere Tage in der Gegend von Srebrenica getötet worden. Das Massaker fand an verschiedenen Tatorten statt und ist systematisch geplant und durchgeführt worden. Nach der Internierung in leerstehenden Schulgebäuden und Lagerhäusern sind die bosniakischen Männer mit Lastwagen zu den Orten der Massenexekutionen verbracht worden, wo schon schwere Räumgeräte bereit standen für das Vergraben der Leichen. Um die Taten zu verschleiern, sind die in Massengräbern verscharrten Körper mehrmals an andere Orte verbracht und begraben worden.